Die Straßenwärter halten Anfang der 40-er Jahre die Straße
Richtung Frankreich frei. Bürgersteige gab es noch nicht, da-
für aber auch noch so gut wie keinen motorisierten Verkehr.
Die Ortsstraße heute. Sehr schön sieht man die Veränderung 
der Vegetation. Mit dem Ende der Landwirtschaft rückte der 
Wald wieder dicht an die Grenze des Dorfes.
Rumbach – wie sich das Dorf gewandelt hat
Vollwertiger Rumbacher zu werden kostete einst Geld
Waldbesitz, früher Reichtum der Gemeinde, bedeutet heute fast ihren Ruin – Verkehrsanbindung schon immer Problem – 90 Prozent Pendler
Mit 76 Punkten konnte Rumbach den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ auf Kreisebene für sich entscheiden. In Rumbach sei es gelungen, den vollzogenen Wandel von einem Waldbauerndorf zu einem staatlich anerkannten Ferienort mit einer homogenen Siedlungsstruktur, die von gut erhaltenen und gepflegten Fachwerkhäusern geprägt sei, auffällig zu machen. Die Tallage in der Landschaft des Dahner Felsenlandes begünstige den guten Gesamteindruck, begründete die Kommission.
Der Ursprung des Dörfchens am Fuße des Birkelfelsens liegt im 6. Jahrhundert, andere Unterlagen behaupten, es sei erst im 12. Jahrhundert um die romanische Wehrkirche herum entstanden. Wahrscheinlich ist aber, dass bereits in grauer Vorzeit hier Menschen siedelten. Die ältesten Fundamente der Wehrkirche stammen aus dem 10. Jahrhundert. Es ist anzunehmen, dass bereits lange, bevor man eine Kirche aus Stein errichtete, eine Kapelle aus Holz den Kirchböhl zierte. Denn die Kirche war, bis das Dorf reformiert wurde, eine dem heiligen Gangolf geweihte Wallfahrtskirche. Erst 1957, nach dem Fund der mittelalterlichen Fresken, wurde sie in Christuskirche umbenannt. Der Platz, auf dem die alte Kirche steht, dürfte zuvor eine germanische Kultstätte gewesen sein.
 
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Die Rumbacher Kirche vor der Renovierung im Jahr 1957 mit Blick auf die Südseite.
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Kirche von Norden: Der Baustil der romanischen Kirche ist ohne Putz unverkennbar.
Geschichten und Rätsel
Über die Geschichte der Kirche, die zu den kunsthistorischen Schätzen der Pfalz gehört, ist schon viel geschrieben worden. Weniger bekannt ist die Geschichte des Dorfes, hinter der sich eine Ansammlung witziger und lehrreicher Klatsch-, Kriminal- und Abenteuergeschichten verbirgt. So sollen 1604, am 31 Dezember, drei Sonnen am Himmel gestanden haben. Im gleichen Jahr sei drei Monate lang von September bis November, ein Komet über dem Dorf sichtbar gewesen. Da finden sich Geschichten von Wolfs- und Rattenplagen, Kartoffeldiebstählen, umherziehenden Zigeunern, von mysteriösem Verschwinden und unglaublichen Unfällen. Ungeklärt ist, wer die herrlichen Fresken in der Kirche geschaffen hat, warum sich ein Ritter-Grab in der Kirche befindet und warum die Frau des Wegelnburger Vogtes im Kirchenschiff begraben wurde zu einer Zeit, als die Kirche bereits reformiert war.
1330 wurde die Burg und Vogtei Wegelnburg, zu der Rumbach gehörte, von Kaiser Ludwig
dem Bayern an den Pfalzgrafen Rudolf I. verpfändet. 1417 wurde die Wegelnburg samt ihrer Dörfer (auch Nothweiler und Hirschthal) in einer Erbauseinandersetzung dem Herzog Stephan von Zweibrücken zugesprochen. 1526 ist Rumbach bereits reformiert. Der Name der Kirche blieb allerdings erhalten. Aus alten Unterlagen geht hervor, dass noch 1558 viele Fremde nach Rumbach wallfahren kamen – ein Graus für den damaligen amtierenden protestantischen Pfarrer.
 
Protestantische Enklave
Bis 1818, der Vereinigung der Lutheraner und Reformierten, war Rumbach protestantisch reformiert. Katholiken gab es nur vereinzelt. Die der Wegelnburg zugehörigen Dörfer bildeten eine protestantische Enklave in dem sonst fast ausschließlich katholischen Gebiet. Rumbach blieb bis lange nach dem 2. Weltkrieg überwiegend protestantisch, noch 1973 waren von den 542 Einwohnern 485 Protestanten.
Heute hat Rumbach 547 Einwohner, von denen nur noch 353 evangelisch sind, 136 Bürger sind katholisch, 12 altkatholisch, 43 freireligiös, drei Einwohner machen keine Angaben und 12 gehören zur Kategorie „Sonstige“. Rumbach zeigt sich aber auch von einer inernationalen Seite, denn es beherbergt einen österreischischen, zwei rumänische, einen spanioschen, zwei amerikanische und zwei thailändische Mitbürger.
1792 marschierten die Franzosen ein, 1794 besetzten sie den linksrheinischen Teil der Pfalz und 1801 gliederte man das linke Rheinufer Frankreich an. Bis 1814 gehörte Rumbach zum Department Mont Tonnere, Kanton Dahn. Mit der Niederlage des „Großen Korsen“ kam die Region unter österreichisch-bayrische Verwaltung.
Rumbach liuegt in einemlänglichen, halbkreisförmigen Talkessel, dessen Wände steil aufsteigen. Die Gemarkung ist über die Bergrücken, die das Dorf umschließen, ausgebreitet. Über die Betghänge erstrecken sich Streuobstwiesen, nur noch wenige Äcker und ein ausgedehnter Mischwald. Der Boden ist leicht und sandig und besteht zu einem Drittel aus Ton und zu zwei Dritteln aus Sand. 1844 umfasste die Gemarkung 1299 Hektar (heute 1479), Rumbach verfügte über 101 Wohngebäude. Das Ödland wurde weitgehend zur Aufforstung von Wald und als Ackerland, dessen Anteil auf einen kleinen Teil zurück ging, verwendet.
 
Region wie leer gefegt
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Region wie leer gefegt. Obwohl der Landstrich kein Kampfgebiet war, so waren Brandschatzungen, Hungersnöte und Seuchen an der Tagesordnung. 1635 kamen die Kaiserlichen Truppen bei der Verfolgung der Franzosen und Schweden gleich zweimal in den Wasgau. Damals flohen die Rumbacher auf die Wegelnburg. Laubhütten rund um die Burg schafften Unterkunft. Die Flucht sollte bis 1639 dauern. Anfangs konnte man sich noch mit den mitgebrachten Vorräten an Getreide und Vieh ernähren, doch schon bald bestand die Nahrung der Flüchtlinge nur noch aus Beeren und Wurzeln, Eichelbrot und etwas Wildbret.
Erst 1639 wagten sich einige Mutige ins Dorf zurück, um die Neubesiedelung in Angriff zu nehmen. 1640 zählte das Dorf wieder fünf Familien.
Kaum hatte sich der Wiederaufbau vollzogen, brachten die Reunionskriege Ludwig XIV. neues Leid. 1679 wurde die Wegelnburg zerstört, einem Bericht aus dem Jahr 1681 wurde Rumbach damals noch von acht Untertanen bewohnt. 
1685/90 kamen mehrere Familien schweizerischer Herkunft nach Rumbach. Namen wie Grüny, Friedly, Jacky oder Ruby zeugen noch heute davon.
 
Schweizer brachten Technik mit
Diese brachten ein ausgetüfteltes Bewässerungssystem nach Rumbach, den sogenannten „Rückenbau“. Unterhalb eines Wasserlaufes wurde das Gelände parallel zum Bach in flache Rücken aufgeworfen, an deren Flanken das Bachwasser in kleine Kanäle abgeleitet wurde. Zur gleichmäßigen und gerechten Bewässerung baute man kleine Wehre ein, die nur zu bestimmten Zeiten geöffnet wurden. Der Bau der Wasgenwaldbahn nach dem 1. Weltkrieg zerstörte diese Anlage, von der heute nur noch alte Fotos zeugen.
Aus dem 18. Jahrhundert sind keine Akten mehr vorhanden, die über die Bevölkerungszahl Auskunft geben können. Für die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts kann man jedoch von 500 Seelen ausgehen.
Der karge Boden zwang Familien mit mehr als drei Kindern zum Auswandern. Hier kam den Rumbachern die Zugehörigkeit zur protestantischen Kirche zugute. Die hatte sich nie so intensiv in das Intimleben ihrer Schäfchen eingemischt wie die katholische Kirche. Verhütung war schon für die Urgroßväter der Rumbacher kein Thema. Damit blieb ihnen das Schicksal der Männer aus den katholischen Nachbargemeinden erspart. Die mussten sich, angesichts der zu ernährenden großen Kinderschar, schon früh um Zusatzerwerb zur Landwirtschaft bemühen. Lediglich „Kienholz“ brachte man in regelmäßigen Abständen nach Weißenburg, um von dem Erlös Salz zum Einpökeln zu kaufen. Das brachte den Rumbachern in den Nachbargemeinden den Spitznamen „Salztrippler“ ein.
 

Knochenarbeit: Heumachen in den 30-er Jahren rund um Rumbach 

 
Tickets in die USA bezahlt
1837 wanderten 30 Rumbacher nach Amerika aus. Es ist davon auszugehen, das weit mehr das Land verlassen haben, als es nach alten Unterlagen den Anschein hat. Verbürgt sind für die Jahre 1839 bis 1896 276 Personen, die in die Staaten auswanderten. Noch heute wird erzählt, dass die Gemeinde einigen unliebsamen Bürgern die Überfahrt, ohne Rückfahrticket versteht sich, finanziert habe. Am 3. Juli 1891 verließ der älteste Bürger, der 89 Jahre alte Christof Kindelberger, mit 12 weiteren Personen die Heimat in Richtung USA. Neben dieser Auswanderungswelle setzte in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts die Binnenwanderung in die pfälzischen Industriezentren ein.
Von 107 wahlberechtigten Bürgern bestritten 1859 lediglich 18 ihren Lebensunterhalt nicht vorwiegend aus der Landwirtschaft. So verfügte die 497  Seelen-Gemeinde über zwei Gastwirte, einen Schäfer, einen Schweinehirten und einen Wildhüter. Es gab zwei Müller, drei Weber, einen Küfer, einen Schneider, einen Maurer, zwei Wagner und zwei Schmiede. 1903 hatte sich die Zahl der Handwerker und sonstigen Berufe auf 34 gesteigert, bei 403 Einwohnern, davon 108 Wahlberechtigte. Hinzu gekommen waren unter anderem  ein Schuster, der Einnehmer, ein Steinhauer, ein Tüncher, ein Pfarrer, ein Postbote, ein Bäcker, ein Forstassessor und ein Privatier.
 
Relativ wohlhabende Gemeinde
Aus den Unterlagen der Jahre 1862/63 lässt sich entnehmen, dass Rumbach in seinem Steueraufkommen nur von Dahn und der kleinen Gemeinde Bobenthal übertroffen wurde. Über die wirtschaftliche Lage des Wasgaus hieß es 1832, dies sei die ärmste Gegend Rheinbayerns und auch 1899 wurde immer noch vom wirtschaftlichen Notstand gesprochen, der durch die mangelnde Verkehrsanbindung verursacht werde.
Dennoch betrachtete sich Rumbach als wohlhabende Gemeinde, was sie 1871 mit dem Bau eines neuen Rathauses im französischen Stil kund tat.
Der Reichtum der Rumbacher resultierte aus ihrem großen Waldbesitz, der heute für die kleine Gemeinde den wirtschaftlichen Ruin bedeutet. Damals hatte noch jeder Bürger Anrecht auf kostenloses Garb- (Brennholz) und Bauholz. Um in diesen Genuss zu kommen, musste man Bürger der Gemeinde werden. Ein Recht, das nicht jedem zugestanden wurde. Noch Anfang des Jahrhunderts, wahrscheinlich 1904,  zahlte der aus Frankenstein stammende Jakob Metzler Einbürgerungsgeld um ein „vollwertiger“ Rumbacher Bürger zu werden. Er war der letzte, dem diese Pflicht auferlegt wurde.
Heute verfügt Rumbach über 986 Hektar Gemeinde- und 147,5 Hektar Privatwald. Das sind gut 400 Hektar mehr, als noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 
Interessant dürfte auch sein, was vor 150 Jahren hier noch angebaut wurde. Aufgelistet sind hauptsächlich Korn und Kartoffeln, in wesentlich geringeren Mengen Weizen, Gerste, Spelz, Hafer, Klee und Raps und ganz wenig Kraut und Tabak.
Seit 1980 darf Rumbach mit Genehmigung der Bezirksregierung ein eigenes Wappen führen. Dieses zerfällt in zwei Hälften, die durch Wellenlinien von Blau und Silber geteilt sind. Oben unter einer goldenen Krone eine aufgerichtete silberne Flugschar, unten auf grünem, mit drei grünen Tannen bestandenen Grund, ein roter Baumstumpf und ein roter, umgestürzter Baumstamm. Die untere Schildhälfte geht damit auf die Lage und den Ortsnamen ein. Die Tannen versinnbildlichen den Waldreichtum, der umgestürzte Baumstamm wie auch der Baumstumpf sind in gleicher Weise sinnbildlicher Ausdruck des Ortsnamens, der sich über Ronbach von „ron“ oder „rone“, das altdeutsche Wort für Baumstamm, Baumstumpf, ableitet.
Nach dem Krieg brachte die Schuhindustrie auch in Rumbach einen gewissen Wohlstand. Damals konnte es sich die Gemeinde noch leisten, die Fabrik zu einem Teil für einen ortsansässigen Unternehmer vorzufinanzieren. Offiziell eröffnet wurde die Schuhfabrik am 12. August 1957. Produziert wurde bis weit in die 90er Jahre. Heute beherbergt die alte Fabrik ein Fitness-Studio.
90 Prozent der Rumbacher sind heute Pendler, überwiegend in der Autoindustrie am Rhein tätig.
 
Ziel: Dorfschule sanieren
Nach der Auflösung der Dorfschule wurde das Gebäude in ein Dorfgemeinschaftshaus umgewandelt. Die Kinder besuchen die Grundschule in der Nachbargemeinde Bruchweiler und die weiterführenden Schulen in Dahn. Die Sanierung des Hauses ist eines der großen Ziele, das sich die Gemeinde für die nächsten Jahre gesteckt hat.
Rumbach verfügt immer noch über ein sehr aktives Vereinsleben, allen voran der TuS und die Feuerwehr. Aber auch der Obst- und Gartenbauverein wirkt sehr viel im verborgenen und legte erst vor Kurzem, völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit, auf dem Pfaffenberg einen Lehrgarten an.
Zu den sozialen Säulen der Gemeinde gehört der Landfrauenverein.
Es gibt einen Pfälzerwald Verein, einen Verkehrsverein, den Kaninchenzuchtverein, die Forstbetriebsgemeinschaft und den Förderkreis Rumbach, dessen Reinerlös der Gemeinde zu Gute kommt.
veröffentlicht in:
Die RHEINPFALZ
vom 17. Juni 2000
© Lilo Hagen